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Pilotstudie zur Wirksamkeit von FBT an der Charité in Berlin

Letzte Woche hat ein 'Family meal' (basierend auf der manualisierten Therapieform FBT) in einer Klinik auf deutschem Boden stattgefunden. In Berlin Mitte. In der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Ein großer Meilenstein! Es zeigt, dass in Deutschland sinnvolle und effektive Hilfe für junge Menschen mit einer Essstörung in greifbare Nähe rückt!

Im Rahmen eines klinischen Forschungsprojektes, einer Pilotstudie zur Machbarkeit und Wirksamkeit von FBT, erhalten 15 Familien aus Berlin und dem Umland die Möglichkeit, nach einem zweitägigen Kurzaufenthalt in der Pädiatrie für ein medizinisches assessment, ein Home Treatment unter professioneller Betreuung durchführen zu können. Die wenigen Plätze sind leider nur für Berliner Familien vorgesehen und es müssen eine Reihe von Einschlusskriterien erfüllt sein. Aber dass es diese Studie gibt, gibt Anlass zur Hoffnung!

In Deutschland ist üblich, dass bei einer Erkrankung an Magersucht und bestimmten, weiteren Kriterien (z.B. rapider Gewichtsverlust, gefährliches Untergewicht, fehlende Gewichtszunahme trotz ambulanter Behandlung, ausgeprägte Komorbiditäten) erst eine lange stationäre Behandlung erfolgt und sich dann (erneut) eine ambulante Behandlung anschließt.

Häufig kommt es jedoch nach der stationären Therapie zu einem erneuten Gewichtsverlust, die "Rückfallquote" bei Anorexie ist bekanntermaßen hoch. Möglicherweise ist dies durch die krankheitsbedingt fehlende Einsicht und Mitarbeit der jungen Patienten bedingt, möglicherweise ist dies auch der nur marginalen Einbeziehung der Eltern in der derzeitigen Standardbehandlung geschuldet.

Die meisten Eltern sind komplett überfordert, wenn ihr Kind wieder nach Hause kommt, da sie keinerlei Strategien und Wissen darüber haben, wie sie ihrem Kind nun helfen können. Oft führt das zu Rückfällen, erneuten Klinikaufenthalten und wenig Chancen auf einen echten und dauerhaften Heilungsprozess.

In der Studie werden langfristig Gewichtsverlauf und weitere Essstörungssymptome, sowie Behandlungszufriedenheit und -kosten dem derzeitigen deutschen Behandlungsstandard gegenübergestellt.

 

"Durch das Projekt erhoffen wir uns eine signifikante Erweiterung und Verbesserung der Therapieoptionen und -erfolge für unsere jungen Patient*innen mit Magersucht."
(Dr. Verena Haas, Forschung/Ernährungstherapeutin Charité - Universitätsmedizin Berlin)

 

Fünf erfahrene Therapeutinnen und Therapeuten erhalten aktuell eine FBT-Ausbildung durch die renommierten Spezialisten Prof. Daniel Le Grange (USA) und Dr. Roslyn Hopf (Deutschland).

Prof. Le Grange ist international renommierter Wissenschaftler, der maßgeblich an der Entwicklung von FBT mitgewirkt hat und bereits viele Studienergebnisse zum Thema FBT veröffentlich hat.

Er und sein Kollege Dr. James Lock sind Begründer des Training Institute for Child and Adolescent Eating Disorders, das in den USA die Ausbildung zum zertifizierten FBT-Therapeuten anbietet.

Prof. Le Grange konnte für das Projekt auch als wissenschaftlicher Kooperationspartner gewonnen werden.

 

"Als die Kollegen von der Berliner Charité Kontakt mit mir aufgenommen haben mit der Idee, eine Studie zu FBT in Deutschland durchzuführen, war ich sofort begeistert. Denn bislang wurde die Wirksamkeit von FBT noch nicht in einem zentraleuropäischen Land wissenschaftlich untersucht und belegt. Das ist ein wichtiger Schritt, bei dem ich das Berliner Team überaus gerne unterstütze!"
(Prof. Daniel Le Grange)

 

Als weitere Kooperationspartnerin und FBT Ausbilderin konnte Dr. Roslyn Hopf gewonnen werden. Sie erhielt ihre Ausbildung zur FBT Therapeutin bei Prof. Le Grange in Chicago und ist unseres Wissens nach aktuell die einzige zertifizierte FBT-Therapeutin in Deutschland.

Sie forscht und publiziert schon seit langem zum Thema FBT und ist seit 10 Jahren als niedergelassene Psychotherapeutin im Frankfurter Raum tätig.

 

"Ich freue mich sehr, dass die Charité in Berlin dieses Forschungsprojekt plant, und es bald mehr deutschsprachige FBT-Therapeuten geben wird. Das wird langfristig dazu führen, dass mehr deutsche Familien, deren Kinder eine Essstörung haben, eine alternative Behandlungsmethode in Betracht ziehen können."
(Dr. Roslyn Hopf)

 

Alle Informationen zu diesem sehr begrüßenswerten Projekt findet man hier:

 

Persönliche Erfahrungen einer Mutter aus Deutschla...

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